Wann machen Dividenden Sinn?

In meinem letzten Artikel (Dividenden sind schlecht für das Portfolio) wurde thematisiert, wieso Dividenden schlecht für das Depot sind und Werte vernichten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. In einigen Fällen können Dividenden durchaus Sinn machen, jedoch nicht wenn man einen Vermögensaufbau plant.

2 Fälle, in denen Dividenden Sinn machen und bei einer Investition berücksichtigt werden sollten:

1. Man ist auf ein kontinuierliches Einkommen angewiesen
Hier ist die Annahme, dass man bspw. in Rente ist und deswegen ein kontinuierlicher Geldstrom fehlt. Jedoch ist es fraglich, wie nachhaltig und sicher eine Dividende ist. Ein Unternehmen ist nicht verpflichtet die Dividende zu bezahlen und wenn das Unternehmen ein schlechtes Jahr hatte gibt es einfach keine Dividende.

Oft ist auch zu beobachten, dass Unternehmen, denen es schlecht geht, bis zum bitteren Ende Dividende zahlen, um die Investoren zu halten oder um neue anzuziehen. Das die Dividende aus der Substanz stammt und nicht aus dem operativen Geschäft stört dabei die wenigsten Investoren. Wenn die Dividende aus der Substanz gezahlt wird, dann ergeben sich viele Probleme wie zum Beispiel:

EK sinkt -> Kreditzinsen werden höher und das operative Geschäft wird entsprechend teurer und womöglich unprofitabel.

Es kann auch zu Problemen kommen wenn das Unternehmen mehr ausschüttet als sonst. Dann fehlen womöglich Mittel, um Investitionen zu forcieren und zukünftiges Wachstum anzustreben. Im Endeffekt schadet das dann den Anteilseignern und Shareholder-Value wird vernichtet.

2. Dividenden können das Risiko einer Aktien-Investition verringern
Durch eine Dividende kann das Risiko eines Totalverlustes eingeschränkt werden. Bspw. bei der Telekom-Aktie sind die Aktionäre seit dem Platzen der dot.com-Blase mit einem blauen Auge davon gekommen (angepasst um Opportunitätskosten sieht das ganze jedoch anders aus). Das nur wegen der gezahlten Dividende.

Auch wenn man in ein Unternehmen investiert, von dem man zwar überzeugt ist, aber nicht 100% sicher ist, ob es weiterhin am Markt bestehen kann, ist eine Dividende eine gute Entscheidungshilfe.

Welche Meinung habt ihr zu dem Thema? Auf eure Kommentare bin ich gespannt!

10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Chris,

    es gibt finde ich noch einen wichtigen Grund: Geld schafft Begehrlichkeiten und kann Manager zu Größenwahn verleiten. Die meisten Unternehmen haben einen gut planbaren Kapitalbedarf für ihren Geschäftskern, der hoffentlich einen regelmäßigen Cashflow generiert. Wird dieser von den Eigentümern nicht abgeschöpft (zB über Dividenden), könnte das Management auf die Idee kommen, sich mit dem Geld der Eigentümer selbst zu verwirklichen und wie Coca Cola in den 60ern Aligatorfarmen zu kaufen oder Daimler in den 90ern eine Welt-Ag zu gründen.

    • Hallo Max,
      du hast natürlich recht. Jedoch gibt es noch viele andere Möglichkeiten zur Kapitalallokation, als Dividenden. Eine Möglichkeit ist bspw. der Rückkauf von Aktien.

  2. Hi Chris,

    grundsätzlich stimme ich Dir bei beiden Dividendenartikeln zu. Aber trotzdem gibt es mehr Gründe in Dividendenaktien bzw. Value-Werte mit kleiner Dividende zu investieren als nur die 2.

    Denn neben einer oftmals steigenden Dividende hast Du auch noch steigende bzw. robuste Werte. Damit profitierst Du ja quasi doppelt. Und selbst wenn die Märkte mal gen Süden zeigen, kannst Du regelmäßig mit den Dividendenerträgen rechnen. Du kannst über unterschiedliche Länder und Branchen in Dividendenaristokraten investieren und generierst bis zu 12 Mal im Jahr ein zweites Einkommen (Realty Income als Extrembeispiel). Und die Aktien sind in der Regel – dank der Dividende – krisenfester als andere, weil die Anleger nicht sofort verkaufen, wenn die Märkte fallen.

    Und sind wir mal ehrlich: Wie viele Unternehmen streichen die Dividende komplett? Selbst Bilfinger und Adidas zahlen dieses Jahr wieder eine vernünftige Dividende, auch wenn das letzte Jahr nicht so toll war. Die Anleger würden sonst in Scharen fliehen.

    Wo ich Dir absolut Recht gebe: Die Dividendenstrategie eignet sich nicht zum initialen Vermögensaufbau. Dafür würde ich immer eine passive ETF-Strategie fahren. Sonst sind die Dividendengewinne viel zu klein, um davon nachhaltig zu profitieren.

    Ansonsten weiter so. Toller Blog.

    Viele Grüße
    Daniel von Finanzrocker

  3. Hallo Chris,
    ich denke es kann durchaus Sinn machen einige Dividendentitel im Portfolio zu haben. Dennoch ist die Höhe der Dividende bei der Auswahl geeigneter Aktien für mich persönlich nicht ausschlaggebend. Viele Unternehmen die sich auf Wachstumskurs befinden bezahlen häufig gar keine Dividende (siehe Amazon).

    Gruß, Manuel

    • Wieso bist du der Meinung, dass es Sinn macht?

      Bei Amazon schiele ich nur auf die Cashflow-Rechnung. Sobald Jeff Bezos nicht weiter investieren würde, wäre Amazon eine super Aktie. Das Geschäftsmodell von Amazon halte ich übrigens auch für sehr überzeugend. Gerade die Tatsache, dass Amazon ein skalierendes GM hat finde ich verlockend.

  4. Pingback: Wieso ich Amadeus Fire nicht verkaufe (vorerst) - Gier ist gutGier ist gut

  5. Hallo Chris! Finde ich gut, dass Du in diesem Artikel im Vergleich zum vorigen Dividenden-Beitrag auch auf ein paar Vorteile von Dividenden eingehst (auch wenn Punkt 1 eigentlich ins Negative schwenkt ;-)). So oder so bin ich aber auch der Meinung, dass man sich nicht zu sehr auf die Dividendenrendite einer Aktie fokussieren sollte, sondern auch andere fundamentale Gesichtspunkte nicht aus den Augen verlieren sollte. Viele Grüße, Alex PS: Ich schreibe gerade ein Gratis-eBook „Die 50 besten Finanzseiten“. Und Deinen Blog wollte ich mit aufnehmen. Ich habe Dir deshalb Mitte April schon mal eine Mail mit ein paar Fragen geschrieben, ist die angekommen? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen :-).

    • Hallo Alex, danke für deinen Kommentar!
      Du hast schon Recht, ich sehe Dividenden sehr negativ. Ein Grund dafür ist, weil auf vielen Seiten / Blogs einfach immer nur die „gute“ Seite von Dividenden gezeigt wird. Diese einseitige Betrachtung stört mich massiv und stimmt einfach nicht.

      Die ganzen Dividendenjäger blenden die gesamten Risiken aus und sehen einfach nur die Dividendenrendite. Dabei ist vielen einfach nicht wirklich klar, dass Dividenden gar nicht so toll sind.

      Viele Grüße

      • Das stimmt, fast überall hat man nur die rosarote Dividenden-Brille auf! 😉 Das ist mir auch schon aufgefallen. Finde ich gut, dass da einer mal nicht mit dem Strom mitschwimmt und auch etwas Anti-Stimmung verbreitet. Weiter so! Auch ein Grund, warum ich Deinen Blog gerne mit ins eBook aufnehmen würde, ist das ok? Du hast dazu noch nichts gesagt, ein kurzes Statement wäre nett :-). Die Fragen aus der E-Mail (ist die angekommen?) musst Du nicht beantworten wenn Du keine Lust hast. Beste Grüße, Alex

  6. Hi Chris, stimmt, Aktien mit Dividende haben einen positiven Carry über die Zeit. Aber das muss natürlich – wie du schon gesagt hast – nicht heißen, dass es deswegen gleich ein gutes Investment ist. Bestes Beispiel: Warren Buffett’s Berkshire Hathaway ist langfristig besser als jede Einzelaktie und jeder Fonds weltweit und hat nie eine Dividende gezahlt.

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