aktie-verkaufenIch hatte hier einen längeren Artikel zum Thema „Haltedauer einer Aktie“ geschrieben, aber ich denke, dass dieses Thema im simple value investing Blog sehr ausführlich und gut thematisiert wurde.

Einziger Unterschied in meiner Denkweise:

Man sollte eine Aktie nur verkaufen, wenn man sie auch shorten würde.

Shorten würde ich eine Aktie nur, wenn sie bspw. folgendes Muster aufweißen würde:

 Zeit t1 t2 t3 t4
Umsatz 1000 980 960 900
Bruttomarge 15% 14% 13% 12%
Free Cashflow Marge 5% 4% 3% 2%

(Das sind natürlich nicht die einzigen Kennziffern, die ich für wichtig erachte, aber hier geht es auch mehr um das Prinzip)

Also kurz gesagt: Wenn die fundamentalen Kennziffern des Unternehmens schwächer werden, Märkte wegbrechen, das Unternehmen seine Monopolstellung verliert, Innovationen verpasst oder nachhaltig schlecht wirtschaftet. Wie man erkennen kann geht das auch über einen längeren Zeitraum und nicht über ein Quartal. Wie man die t`s definiert ist jedem selbst überlassen.

Eine Buy-and-Hold Strategie ist allein deswegen schon komplett schwachsinnig, weil sich das Leben um uns herum in einer atemberaubenden Geschwindigkeit verändert.  Wer hätte jemals gedacht, dass Nokia an Microsoft verkauft wird. Wer hätte jemals gedacht, dass die gesamte Taxi-Branche mit einer App ins Wanken gebracht wird? Wer hätte jemals gedacht, dass Leute über AirBNB ihre Privatwohnung als Wohnraum zur Verfügung stellen wollen? Wer hätte jemals gedacht, dass es in Deutschland zu einem Atomkraft-Verbot kommt? Wer hätte jemals gedacht, dass der Ölpreis so abstürzen könnte? Vermutlich niemand.

Auch vorgebrachte Argumente à la: „Essen muss jeder.“ „Rasieren muss sich jeder.“ etc halte ich für nicht überzeugend. Immerhin gibt es so viele disruptive Innovationen die gesamte Märkte beeinflussen und die Karten komplett neu mischen. Deshalb glaube ich auch nicht, dass man mit gutem Gewissen einem Kleinanleger empfehlen sollte, einer Buy-and-Hold Strategie zu verfolgen.

Wenn ich bereit wäre die Aktie, wie im simple value investing blog beschrieben, verkaufen würde, dann hätte ich in meinem Depot zwar immer nur unterbewertete Aktien, aber gute Unternehmen sind irgendwann nicht mehr im Portfolio. Und da die Unternehmensbewertung eher eine Kunst, als eine Wissenschaft ist, glaube ich nicht, dass man sich auf so einen Ansatz verlassen sollte.

verkaufsmatrixKurze Erläuterung: Gutes Unternehmen = Wettbewerbsfähig, gute Position im Markt / guter Preis = Preis der Aktie liegt unter dem intinsischen Wert der

Solange ich im Besitz eines guten Unternehmens bin, ist der Preis der Aktie zweitrangig, da er lediglich eine temporäre Marktstimmung widerspiegelt. Nicht mehr und nicht weniger. Ist das Unternehmen gut, dann steigt zwingend auch der intrinsische Wert des Unternehmens. Aus diesem Grund ist es deutlich empfehlenswerter sich nur in den oberen beiden Quadranten aufzuhalten. Das macht wesentlich weniger Kopfweh und lässt jeden Investor besser schlafen.

Jedoch ist anzunehmen, dass eine Investitionstrategie die sich nur auf die oberen beiden Quadranten beschränkt, wesentlich unrentabler ist, im Vergleich zu einer vertikalen Investitionsstrategie. In der Summe sind die Käufe von „schlechten Unternehmen zu guten Preisen“ vermutlich rentabel, aber hier ist zwingend der Opportunitätskostensatz zu berücksichtigen. Da diese Unternehmen i.d.R. ihren Turnaround nicht innerhalb einer kurzen Periode schaffen. Bei einem Cigar-Butt Ansatz kauft man in der Regel ein schlechtes Unternehmen zu einem guten Preis. Dann wartet man eine Weile und hofft auf eine Mean-Reversion oder eine Liquidation des Unternehmens.

Wie macht ihr das? Wann verkauft ihr eure Aktien?

13 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Verkaufen nur wenn man auch shorten würde, ist eine wirklich interessante These. Ich habe es bisher immer so gehalten, dass ich für mich Zielkurse ausgemacht habe (Börsenkurs > Innerer Wert der Aktie) und auf Grundlage dieser Einschätzung meine Aktien verkauft habe.

    Aber prinzipiell hast du mit dieser These durchaus Recht! Faszinierende Idee!

    • Hallo Michael,
      so habe ich es bisher auch immer gemacht, jedoch meine Probleme damit, wenn ich ein „gutes“ Unternehmen verkaufen muss.
      Wenn die Zahlen in den Finanzberichten meinen Anforderungen entsprechen, macht es eigentlich nur begrenzt Sinn sich von dem Unternehmen zu trennen.

  2. Ob dieser Ansatz so praktikabel ist, ist m.A.n. mehr als fraglich. Dann würde man im Prinzip nur Buy & Hold machen und sich niemals von seinen Aktien trennen. Ich möchte meine Gewinne doch auch mal realisieren!

    • Hallo Tim,
      da hast du schon Recht. Nur wenn du verkaufst, dann kannst du deinen Gewinn realisieren.
      Wenn du aber einen Gewinn realisierst, und eine gute Firma mit Gewinn verkaufst, dann zahlst du erstmal Steuern auf den Gewinn und anschließend musst du eine neue Investitionsmöglichkeit suchen. Da benötigst du vermutlich wieder Zeit zur Recherche eines guten Unternehmens.

  3. Der Verkauf einer Aktie ist wesentlich komplexer und eigentlich haben Sie schon recht, dass man ein gutes Unternehmen nicht verkauft werden sollte. Immerhin ist bewiesen, dass gute Unternehmen immer im Wert steigen. Und je weniger Entscheidungen man aktiv treffen muss, desto besser. So wird die Fehleranfälligkeit massiv reduziert.

    Beste Grüße

  4. @Tim

    Weshalb möchtest Du denn Deine Kursgewinne realisieren? Kann ich nicht nachvollziehen. Denn das klingt entweder nach „in Sicherheit bringen“ oder aber Du müsstest eine bessere (lukrativere) Idee für Dein Geld haben. Wenn ich als Langfristanleger – ja, ich praktiziere Buy & Hold – auf Kursgewinnen sitze, freue ich mich. Ich verkaufe aber nicht deshalb. Sondern nur dann, wenn der Kurs deutlich über dem fairen Wert liegt und die Unternehmensentwicklung nicht so aussieht, als würde sie dem Kurs in absehbarer Zeit folgen können, oder aber ich verkaufe, weil der Kurs sich nicht so entwickelt wie ich es möchte und ich eben eine bessere Idee habe, wie und wo ich mein Geld anlegen kann. Was hilft mir ein realisierter Kursgewinn, wenn das Geld danach auf dem Tagesgeldkonto vor sich hin schimmelt?

    Ach so… Buy & Hold bedeutet gerade nicht, niemals zu verkaufen. Es heißt, Aktien langfristig zu behalten und nicht auf ihre Schwankungen zu reagieren, sie also nicht „timen“ zu wollen, und zwar so lange, wie ihre fundamentalen Daten noch stimmen und das Unternehmen sich noch in die gewünschte Richtung entwickelt. Es ist kein „fire and forget“…

    • @ Michael C. Kissig
      Den fairen Wert kannst du wohl aber nur schätzen und wenn du in deiner Schätzung einfach mal daneben liegst, dann verlierst du vermutlich Geld.

      In den meisten Blogs liest man durchaus eine Meinung à la: Unternehmen XY kaufen, weil das die letzten 100 Jahre gut lief. Keiner empfiehlt auf die Unternehmensbewertungen/kennzahlen zu achten. Und bei einer gewissen verschlechterung die Anteile an dem Unternehmen zu verkaufen. Das ist in meinen Augen falsch und grob fahrlässiger Rat.
      Gerade als Kleinanleger hat man doch den Vorteil einigermaßen flexibel zu sein!

      Grüße

  5. Interessanter Ansatz. Weiß aber nicht, ob das so praktikabel ist. Sicher wird das bei vielen Unternehmen klappen, aber mindestens genauso viele werden wohl trotz guter Unternehmenszahlen im Marktwert fallen.

    • Hallo Dimitri,
      das hast du völlig Recht, aber diese Unternehmen verkaufst du einfach nicht. Wie ich im Artikel beschrieben habe: Verkauft wird nur, wenn man auch shorten würde. Und shorten kommt nur bei schlechten Unternehmen in Frage 😉

  6. Hallo, hatte vor Jahren auch das Problem mit dem richtigen Verkaufszeitpunkt. Habe dann mit Excel einige Strategien probiert und bin beim Ansatz der Relativen Stärke angekommen. D.h. ich kaufe gut gelaufene Werte. Den Verkauf habe ich allerdings mit der Dax-200-Tage-Linie geregelt. Die Strategie läuft ganz ohne Fundamentaldaten des Unternehmens, hat aber den Vorteil, dass automatisiert eine große Zahl von Aktien softwaretechnisch analysiert werden kann, was mit Fundamentaldaten nie möglich wäre.

  7. Cooler Artikel! Zu diesem Textabschnitt:
    „… das Unternehmen seine Monopolstellung verliert, Innovationen verpasst oder nachhaltig schlecht wirtschaftet. …“

    Das ist wirklich eine spannende Sache und eine Herausforderung für die jeweiligen Unternehmen. Zum Thema Monopole, Unternehmenswachstum und Innovationsfähigkeit empfehle ich das Buch „Zero To One“ von Peter Thiel. Habe in der Buchliste meines Blogs einen entsprechenden Artikel dazu veröffentlicht …

    Gruß
    Richard

  8. Ich finde diesen Ansatz mehr als gut. Der Grund warum, meiner Meinung nach, so viele Leute bei Gewinn verkaufen möchten ist, damit sie das Geld ausgeben können. Dies entspricht aber nicht meiner Idee von Kapitalanlage. Ich würde Aktien von guten Firmen auch ewig laufen lassen. Dies ergänzt sich übrigens gut mit einer tollen Dividenenstratergie.
    Es ist natürlich noch einmal was anderes wenn man Daytrader ist und davon leben muss. Aber auch dabei gibt es unterschiedliche Strategien und Ansätze

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