Dividenden sind schlecht für das Portfolio

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Immer wieder liest man, dass Dividenden die neuen Anleihen sind und man die Dividendenausschüttungen wie den Kupon der Anleihe sehen soll. Aktien sind alternativlos und Anleihen die reine Geldvernichtung. So wird es zumindest propagiert.

Ob diese Aussage stimmt, oder nicht soll hier nicht thematisiert werden. Um das Thema hat sich Value and Opportunity bereits im Januar 2015 gekümmert und in meinen Augen sehr gut auf den Punkt gebracht.

Eine weitere Fraktion meint, dass Dividenden-Aktien perfekt sind, um ein möglichst großes Portfolio aufzubauen. Dabei ist der Fakt natürlich nicht abzustreiten, dass Dividenden super geeignet sind, um ein passives Einkommen aufzubauen. Jedoch ist es mehr als fraglich, ob man in der Sparphase auf Dividendenaktien setzen sollte.

Da ich bei dem Thema durchaus voreingenommen bin und mir über die Jahre eine eigene Meinung gebildet habe, wollte ich mir das ganze mit einer kleinen Zeitreihe verdeutlichen und hätte meine Meinung gerne revidiert.

Das Ergebnis war doch wesentlich krasser als ich es mir vorstellen konnte, aber später mehr dazu. In der Zeitreihe habe ich das Ganze auf der einen Seite stark vereinfacht, indem ich pauschale Annahmen getroffen habe: jährlich gleichbleibende Erträge (EPS 10% des Unternehmenswertes & Ausschüttungsquote bei Unternehmen A von 0% und Unternehmen B von 100%, persönlicher Steuersatz bei 25%) und die Annahme getroffen habe, dass sich beide Unternehmen konstant entwickeln. Bei der Dividenden-Strategie habe ich weiter angenommen, dass die ausgeschüttete Dividende zu 100% in das Unternehmen zurück investiert wird.

Jahre 1 20
Keine Dividenden / Unternehmen A 100€  …  611,59€
Unternehmensgewinn 10€  …  61,16€
     
Dividenden-Strategie / Unternehmen B 100€  …  395,15
Unternehmensgewinn 10€  … 39,51€
Steuern 2,5€  …  9,88€
Dividende  7,5€  …  29,64€
artikel_dividendenstrategie

Quelle: Eigene Excel-Berechnung

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass man bei der Dividenden-Strategie über den Zeitraum von 20 Jahren 16% mehr Steuern zahlen darf, als bei der Keine-Dividenen-Strategie. Möchte ich also nach 20 Jahren mein Depot liquidieren, dann habe ich bei der Dividenden-Strategie im Endeffekt eine Steuerlast von ((395,15€-100€)*0,25)+108,24€) = 182,03€. Möchte ich dagegen mein Keine-Dividenden-Depot liquidieren, dann zahle ich (611,59€ * 0,25) = 152,9€ an Steuern. (Anders sieht das natürlich in den USA aus. Hier werden Dividenden lediglich mit 15% besteuert und nicht wie in Deutschland mit 25%.)

16% mehr Steuern ist also der Preis für die vorhandene Liquidität. Jetzt könnte man sich fragen, ob das viel oder wenig ist, aber das kann man leider nicht so beantworten. Wenn man ein geregeltes Einkommen hat, mit dem der Lebensunterhalt bestritten werden kann ist das wohl doch recht teuer. Ist man auf die Dividende angewiesen, dann spielt der Preis der Liquidität absolut keine Rolle.

Quelle: Ned Davis Research

Quelle: Ned Davis Research

Ein weiterer Fakt der mich von der Dividenden-Strategie abhält ist die Tatsache, dass Unternehmen die Dividenden auszahlen eine insgesamt schlechtere Performance haben, als Unternehmen die keine Dividende auszahlen. Dividendenzahlende Unternehmen sind jedoch laut einer Studie von realityshares weniger volatil und erreichen in einem Bärenmarkt schneller ihren Ausgangswert.

Mein Fazit: In der Ansparphase sollte man Dividenden meiden, und auf Unternehmen setzen, die wachsen und somit das verdiente Geld im Unternehmen für Wachstum benötigen. Die Dividenden-Strategie ist während der Ansparphase einfach zu teuer und sollte entsprechend vermieden werden. Fällt der Job als Einkommen weg, dann empfiehlt es sich umzuschichten und auf die Dividendenzahlungen zu setzen. Auch der Punkt, dass sich dividendenzahlende Unternehmen in einem Bärenmarkt schneller erholen finde ich sehr spannend und spricht eigentlich noch mehr dafür, dass man mit Dividendenaktien eine gute Alterssicherung betreiben kann.

Was meint ihr dazu? Ich bin auf eure Kommentare gespannt!

P.s. die Excel-Datei habe ich gleich noch mit hochgeladen. An dem EPS-Prozentwert kann man rumtesten, wie sich das ganze entwickelt (bei 10% wie ich ihn angenommen habe ist die Steigerung übrigens noch einigermaßen linear. Sobald da Werte über 20% drin stehen, wird der Spread richtig krass!)

22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi, ich stimme dir zu, dass Dividendenausschüttungen alleine keine guten Aktien machen. Allerdings ist der Fakt, dass ein Unternehmen so viel Bargeld erwirtschaftet um einen Teil ausschütten zu können ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Wenn es dann aber alles reinvestiert und dafür konstante Margen erzielen kann, kommt der Zinseszins voll zum Tragen. Der Steuereffekt auch ein bisschen, aber Zinseszins dürfte stärker sein :)

    Was in deiner Berechnung fehlt, ist dass man die ausgeschütteten Dividenden ja in der Ansparphase wieder in Akten investieren würde (zumindest sollte man, um die Reinvestition ins Unternehmen in Fall A vergleichen zu können). Im Moment legst du ja in Fall A den Gewinn jedes Jahr zu 10% Zinsen an, in Fall B nur zu 0%. Wenn du das berücksichtigst (z.B. 5% auf die ausgeschütteten Dividenden verzinst) wird der Abstand deutlich kleiner!

    • Hallo Tobi,
      da hast du natürlich völlig Recht. Jedoch steigert das Unternehmen B auch seinen Unternehmenswert. Hier steckt einfach die Annahme drin, dass der Unternehmenswert jährlich um die ausgeschüttete Dividende steigt.

      Man könnte es aber auch so machen, dass Unternehmen B seinen Unternehmenswert nicht steigert und man die Dividende wieder anlegt zu einem vergleichbaren Zinssatz. Da wird aber das gleiche Ergebnis raus kommen und wenn man die anfallenden Transaktionskosten noch abzieht, dann sieht das ganze Unterfangen noch schlechter aus!

      • Ok Sorry, ich hatte mir die Excel-Tabelle nicht richtig angeguckt und den Ansatz daher anders verstanden. Im Prinzip vergleichst du hier zwischen Firma A, die keine Steuern zahlt, und Firma B die (durch Dividendenbesteuerung) einen Steuersatz von 25% hat.
        Dazu musst du aber tatsächlich die Dividenden wieder zu jeweils 10% anlegen.

        In der Praxis ist ja meistens das Problem, dass ein Konzern vielleicht 20% Eigenkapitalrendite erzielt, aber dafür auch mit dem sagen wir 3-fachen Buchwert bewertet wird. Dann würdest du auf die einbehaltenen Dividenden 20% Rendite erwarten, aber auf die ausgeschütteten, besteuerten und wieder in diese Aktie investierten nur 5%. Und in der Regel gibt es ja Teil-Ausschüttungen der Gewinne, da wird es dann interessant, vielleicht sollte ich mir mal ne Formel dafür überlegen und auch einen Artikel schreiben^^
        Ich glaube jedenfalls, dass der Zinseszins auf einbehaltene Gewinne bei sehr rentablen Firmen der Hauptgrund ist, warum Buffets Strategie so gut funktioniert „hervorragende Unternehmen zu fairen Preisen“ zu kaufen

        • Nein, nicht die Firma zahlt die Steuern, sondern die Steuern sind deine Abgeltungssteuern. Die Annahme ist, dass das verdiente Geld reinvestiert wird und weiterhin 10% Rendite erzielt werden kann. Um das ganze Thema zu verdeutlichen habe ich angenommen, dass immer der gesamte Gewinn ausgeschüttet wird.
          Eigentlich gibt es noch einen weiteren Punkt: Das Unternehmen das ständig die Erträge reinvestiert, muss weniger Steuern zahlen.

          Was hat die EK-Rendite mit dem Buchwert zu tun? Den Punkt verstehe ich leider nicht. Eher hat die EK-Rendite etwas mit der Finanzierungsstruktur zu tun.

          • a) hier ist ein unrealistisch hoher Ausschüttungssatz von 100% angenommen worden.
            kaum eine firma schüttet den kompletten Gewinn als Dividende aus.

            b) auch die reinvestierende Firma und deren Gegenwert muss ich später zu 25% versteuern.
            damit wird der Abstand viel kleiner als im Excelsheet dargestellt.
            und wenn man mit den Zahlen spielt und 15% gewinnwachstum annimmt sieht es schon viel knapper aus!
            gruss tom

          • Hallo Tom,
            natürlich sind 100% unrealistisch. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass Dividenden an deinem Vermögen nagen.

  2. In deinem Beispiel zahlst du die Steuern und legst dann zum gleichen Zinssatz wieder an, aber der von mir beschriebene Fall (Firmen mit unterschiedlichen Steuersätzen) ist im Ergebnis exakt das gleiche.

    Mit dem Buchwert selbst hat die Eigenkapitalrendite natürlich nichts zu tun, aber mit dem Kurs-Buchwert-Verhältnis. Der Punkt ist, dass du umso mehr für das Eigenkapital bezahlen musst, je besser es verzinst wird – das heißt das Kurs-Buchwert-Verhältnis sollte steigen, je höher die Eigenkapitalrendite ist. Bei der Wiederanlage bekommst du in der Praxis zumindest bei dieser Firma dann aber nicht die Rendite, die sie selbst auf das Eigenkapital erzielt, sondern nur einen dem KBV entsprechenden kleineren Teil.

    • Ich hab jetzt übrigens inspirieren lassen selbst in meinem Blog einen Artikel zu einbehaltenen Dividenden und dem theoretischen Fall, dass diese zu gleichen Bedingungen reinvestiert werden, geschrieben. Die Steuern habe ich dabei nicht berücksichtigt, aber es ist auch schon von der Eigenkapitalrendite her, trotz Wiederanlage der Dividenden, ein deutlicher Vorteil für die höhere Rendite zu sehen. Ich hab auch einen kleinen Excel-Rechner, kannst ja mal probieren :)

  3. Pingback: Wann machen Dividenden Sinn? - Gier ist gutGier ist gut

  4. Hallo,
    eine interessante Auswertung. Ich habe in meinem Blog vor einigen Jahren schon einmal ein ähnliches Ergebnis vorgestellt. Der Fehler liegt in meinen Augen darin, ein laufendes, passives Einkommen erwirtschaften zu wollen opbwohl es gar nicht notwendig ist. Natürlich sieht es schön aus wenn jeden Monat ein höheres „Einkommen“ zur Verfügung steht, bringt aber nichts.
    Ich persönlich sehe langfristig steigende und kontinuirlich gezahlte Dividenden eher als Indikator für ein nachhaltiges Geschäftsmodell und Unternehmen. Für mich sind Dividenden zwar wichtig, aber nicht um jeden Preis. Man darf nicht vergessen, dass bei Aktien ebenfalls Kursgewinne möglich sind, die die Dividendenrendite um ein Vielfaches übersteigen.

    VG
    Jan

  5. Pingback: Wieso ich Amadeus Fire nicht verkaufe (vorerst) - Gier ist gutGier ist gut

  6. Dividenden sind schlecht für das Portfolio – und Einseitigkeit auch.

    Unternehmen, die keine Dividenden zahlen sind oft (in der Mehrheit) sogenannte Growth Unternehmen. Es gibt zahlreiche Studien, dass diese Gruppe langfristig deutlich schlechter abschneidet als Value-Unternehmen (die in der Mehrheit Dividenden zahlen, Berkshire H. eine der berühmten Ausnahmen).

    Daher kann die Faustregel „Dividenden vermeiden“ einen leicht mehrere %-Punkte Rendite p.a. kosten, die einschlägigen Studien zum Value-Effekt findet man bei Kommer und im Internet mit ein bißchen Suche.

    Und dann gibt es ja noch sehr gute Studien, wie sich die Rendite eines Langfristinvestors zusammensetzt. Und dort fand man z.B. für den S&P500 heraus, dass Dividenden einen großen Anteil an der Gesamtrendite haben – über alle Börsenzyklen etwa 50%, in Baissen/Seitwärtsmärkten 70%. Da geht der Verzicht darauf, voll nach hinten los.

    Salomonisch formuliert: Dividenden sollten niemals der Ausgangspunkt für eine Investitionsentscheidung pro oder kontra sein. Dividenden zu meiden oder sie zu vernachlässigen ist aber auch nicht günstig.

    • Ich hinterfrage meine Strategien immer wieder gerne kritisch, dennoch stimme dir zu. Aus den Studien, die ich bisher las geht auch eindeutig hervor: Wert schlägt Wachstum. Teils handelt es sich dabei um ältere Studien, wo der Dividenden-Hype in Deutschland noch nicht so groß war, wie jetzt.

      In dem oben gezeigten Vergleich stört mich, dass davon ausgegangen wird, dass Unternehmen B seinen gesamten Gewinn ausschüttet. Die Dividenden-Investoren oder Income Investoren, deren Blogs ich bisher gelesen habe, würden eine solche Aktie niemals anfassen. Daher habe ich mal mit 60 % Ausschüttungsquote gerechnet und komme im Jahr 20 für Unternehmen B zu folgenden Ergebnissen:

      Aktienwert: 471,16 €
      Unternehmensgewinn: 47,12 €
      Steuern: 7,07 €
      Dividende: 28,27 €

      Der Unterschied besteht, durch Ausschüttungen und deren Besteuerung, selbstverständlich immer noch. Der Abstand hat sich aber verringert.

      Und was ich bisher noch nie gesehen habe, sind Investoren, die gezielt Aktien ohne Ausschüttung kaufen, die vermeintlich zu den Wachstumswerten gehören. Die meisten Kritiker von Dividendenstrategien investieren in ETFs und mosern über das aktive Stockpicking und die viele Arbeit von Dividenden-Investoren.
      Fakt ist aber, die ETF-Investoren können nur die Performance des Marktes erhalten (inkl. Steuervorteil bei thesaurierenden ETFs), während Dividenden-Investoren sich gezielt die langfristigen Outperformer aus Indices zulegen können und mehr oder weniger erhalten können (abzgl. Steuernachteil der Ausschüttungen).

      Außerdem habe ich für mich festgestellt, dass die Auswahl des richtigen ETFs ebenso mühselig sein kann, wie die langfristigen Outperformer aus Indices ausfindig zu machen.
      Tatsache bei beiden: Habe ich den richtigen ETF bzw. das richtige Unternehmen gefunden betreibe ich buy and hold und habe keine Arbeit mehr.
      Stimmt irgendwann die Kostenstruktur des ETFs nicht mehr, weil der Anbieter sich nicht der Konkurrenz anpasst, dann beginnt die Suche nach der besten Alternative erneut.
      Stimmen irgendwann die fundamentalen Daten des Unternehmens nicht mehr, weil sich langfristig das Geschäftsmodell nicht mehr rentiert, dann beginnt die Suche nach der besten Alternative erneut.

      Ich betreibe derzeit (im Vermögensaufbau) Stockpicking und investiere in ausschüttende Unternehmen, die meinen Qualitätskriterien genügen. Trotzdem behalte es mir aber vor auch mal einen ETF (ob nun für Small-Caps, Emerging-Markets oder was auch immer) hinzuzuziehen und zu besparen. Es gibt eben nicht nur schwarz und weiß.

      Letztlich bin ich davon überzeugt, dass passives Investieren, also buy and hold am effektivsten beim Vermögensaufbau ist. Aktien oder ETFs sollten solche Kriterien erfüllen, sodass sie möglichst lange gehalten werden können. Aber auch Indices sind nicht unbedingt passiv.

      • Hallo investoar,
        vielen Dank für deinen sehr ausführlichen und fundierten Post.

        Die 100% Ausschüttungsquote habe ich gewählt, um das ganze Thema so krass wie es geht darzustellen. Natürlich gibt es das in der Realität kaum. Im Mittelpunkt meiner Aussage war auch nicht die Realität, sondern einfach nur wie stumpfsinnig und eigentlich kontraproduktiv dieser Ansatz des Dividendenjagens doch ist.
        Nicht mehr und nicht weniger 😉

        Ob Wert Wachstum schlägt, dass glaube ich nicht mal unbedingt. Wachstum ist für jedes Unternehmen fundamental wichtig. Nicht nur weil die Kostenstrukturen anziehen, sondern auch weil man den Mitbewerber immer einen Schritt vorraus sein sollte. Sei es durch wachsende Skaleneffekte oder Synergieeffekte in jeder Form.

        Ein Value-Investor zahlt natürlich sehr, sehr ungern für Wachstum. Ganz einfach weil man es sehr schlecht quantifizieren kann.

  7. Moin,

    ein Punkt für die Dividenden kommt bei der Umschichtung zum tragen. Die Steuern, die beim realisieren der Kursgewinne anfallen, macht den Vorteil des Zinseszins zunichte.

    Wenn man z.B. eine Ausschüttungsquote von 4% (Aktie A) gegenüber 0% (Aktie B) annimmt, dauert es bei einer Einmalanlage ca. 25 Jahre bevor die durch den Zinseszins entstehenden Kursgewinne von Aktie B höher sind, als die beim vollständigen Verkauf (bzw. Umschichtung in Aktie A) zu entrichteten Steuern.

    Aus meiner Sicht machen 3 Vorgehensweisen Sinn:
    1) Direkte Anlage von Aktie B (In der Erwartung, dass die Ausschüttungsphilosophie beibehalten wird).
    2) Bei möglichst wenig Kursgewinnen umschichten (z.B. In Krisenzeiten).
    3) Nur prozentuale Entnahme von Aktie A um den Renditevorteil zu erhalten.

    Ich hoffe man versteht, was ich meine 😉

    Gruß Chris

  8. Ich versuche in meinem Porfolio ebenfalls meist auf Unternehmen mit großen Dividenden zu verzichten. Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass es langfristig gesehen mehr Ertrag bringt und ein „passives Einkommen“ damit eher realisierbar ist.

  9. Ich denke, dass man auch den Lebenszyklus berücksichtigen muss. Irgendwann muss das Wachstum auch bei erfolgreichen Unternehmen nachlassen. Und dann sind Ausschüttungen (oder Aktienrückkäufe, darüber lässt sich streiten) sinnvoller als potenziell ineffiziente Reinvestitionen ins Unternehmen. Die Aktie wird sozusagen vom Wachstumswert mit hohem Beta zur Cash Cow mit niedrigem Beta. Vielleicht ist die durchschnittlich deutlich höhere Marktkapitalisierung von Dividenden-Aktien auch eine gute Erklärung dafür, warum die Performance schlechter ist als bei Nicht-Dividenden-Aktien, die tendenziell eher kleiner sind und entsprechend noch mehr wachsen können bzw. ein höheres Beta aufweisen.

  10. Im Umkehrschluss hieße das, dass du ein Unternehmen nur mit extrem viel Geld ausstatten musst, um den Wert und den Gewinn überdurchschnittlich zu steigern. In der Regel funktioniert das jedoch nicht, da die Infrastruktur (Personal, Verwaltung, Management etc.) nicht unbeschränkt mitwachsen wird bzw. irgendwann nicht mehr vernünftig koordiniert werden kann.

    Ich gehe vielmehr davon aus, dass vernünftig geführte Unternehmen sich die notwendigen Mittel für ihr geplantes/machbares Wachstum nehmen und den nicht benötigten Rest an die Aktionäre ausschütten. Ein Unternehmen das 20 Jahre lang gesund mit 10% p.a. wächst dürfte es wohl eher selten geben.

    Wobei ich einschränkend ein hoch skalierbares Geschäftsmodel (z.B. eine Software-Lösung per Lizenzvergabe) gelten lassen würde. Allerdings benötigt so ein Model (z.B. bei Hypoport oder auch I:FAO) später eher weniger Kapital.

    • Hallo Andreas,

      damit hast Du natürlich komplett Recht. Mein Punkt war jedoch viel mehr, dass die Ausschüttung einer Dividende eher schlecht ist, im Vergleich zu jeder anderen Kapitalverwendung. Besonders stört mich dieses blinde und unreflektierte „Dividendensammeln“.

      Viele Grüße

  11. Vorab: Ein wirklich interessanter Denkansatz – ich finde es immer gut, wenn vermeintlich unumstößliche Wahrheiten auf die Probe gestellt werden.

    Die krasse Differenz zwischen den Varianten kommt allerdings mMn durch deine Annahmensetzung zustande – du unterstellst, dass das Unternehmen das einbehaltene Geld mit einer Rendite nach(!) Unternehmenssteuern von 10% wieder investieren kann (so kommt es zu dem krassen Gewinnsprung auf 611,59€), während das ausgeschüttete Geld aus Dividenden in deinem Modell scheinbar eine deutlich schwächere Rendite erwirtschaftet.

    Tatsächlich ist es mE eher umgekehrt, und hier ergibt sich ja eben der Vorteil der Dividendenstrategie: Ausschüttende Unternehmen sehen eben im Regelfall keine Möglichkeit einer renditestarken Reinvestition, während der Dividendenempfänger seinerseits zu einer höheren Rendite (zB an der Börse) anlegen kann.
    Dass die „Sofortversteuerung“ der Dividenden den Zinseszinseffekt schmälert stimmt zwar, die Unternehmen können ihre Renditen in der Realität aber auch nicht ohne Steuereffekt erzielen.

    Mein Fazit fällt damit völlig entgegengesetzt zu deinem aus. 😉

    • Hallo Liza,

      danke für deinen Kommentar. Klar kommt es immer darauf an, ob das Unternehmen das auszuschüttende Geld überhaupt anlegen/investieren kann.

      Oft ist das einfach nicht der Fall, sehr oft ist das aber möglich. Besonders bei Unternehmen die bspw. wachsen und gleichzeitig eine Kreditaufnahme haben und nicht organisch wachsen können und trotzdem eine Dividende ausschütten.

      Und in diesen Fällen ist eine Dividendenausschüttung nicht optimal.

      Viele Grüße

  12. Was du mit deinem Modell gezeigt hast, ist dass ein Unternehmen mit höherer Renditemöglichkeit als die potentiellen Dividendenempfänger die Mittel lieber selbst investieren sollte als auszuschütten. Darüber gibt es aber an der Börse aber recht wenig Dissenz. 😉

    Die Steuer- und „Zinseszins“effekte hingegen kann man aber nur bestimmen, wenn man eine völlig identische Vorsteuerrendite bei beiden Alternativen annimmt. Gefühlt liegen beide Varianten dann nicht mehr weit auseinander: In Variante A hat man vll den Zinseszinseffekt auf seiner Seite, muss dafür aber höhere Unternehmenssteuern im Vergleich zur Abgeltungssteuer in Kauf nehmen.

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