Apple verdient Geld mit Geld

Apple Logo by Apple Inc.

Von Apple-Produkten kann man halten was man will. Die einen sind absolut überzeugt, während die anderen die Produkte teuer und nutzlos finden.

Aber im Endeffekt interessiert mich das nicht wirklich. Viel eher möchte herausfinden, ob Apple als Unternehmen kaufenswert ist, oder nicht.

Über den Fakt, dass Apple seine Day-to-Day Operations fest im Griff hat und im Endeffekt noch bezahlt wird, dass es Geld hält berichtet aber niemand. Nicht nur ist der Cash2Cash-Cycle ein wichtiger Treiber des Unternehmenswertes ist, sondern auch die Stellung innerhalb des Marktes wird aufzeigt.

Der Cash2Cash-Cycle besteht aus drei Komponenten. Days Inventory Outstanding (DIO), Days Sales Outstanding (DSO) und Days Payables Outstanding (PPO). Um einen bessere Überblick über Apple zu bekommen, sollten wir einen Blick auf die Bestandteile werfen.

Cash2Cash Cycle

Da ein gutes Management für jeden Value-Investor entscheidend ist, ist m.M.n. eine nachhaltige Kapitalbindung entscheidend für den langfristigen Erfolg am Markt und damit auch eine gute Unternehmensentwicklung. Diese schlägt sich erwartungsgemäß auf den Aktienpreis nieder.

Days Payables Outstanding

 

’05 ’06 ’07 ’08 ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 TTM
59.62 68.77 96.25 89.74 79.02 81.31 75.48 74.39 74.54 85.45 63.4

in Tagen

Die DPO beschreiben den Zeitraum, wie lange die Zulieferer von Apple auf ihr Geld warten müssen. So ein langer Zeitraum (TTM 63 Tage) zeugt von der Macht von Apple die es auf seine Zulieferer ausüben kann. Solche Zahlen kennt man eher aus der Automobilindustrie, wo Zulieferer auf die Kunden angewiesen sind. Ein anderer Bereich wo so etwas gerne gemacht wird, ist der Lebensmitteleinzelhandel. Die Einkäufer der großen Ketten haben die Marktmacht den Zulieferern solche Zahlungskonditionen aufzudrücken.

Days Sales Outstanding

 

’05 ’06 ’07 ’08 ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 TTM
21.86 20.29 21.96 22.81 24.60 24.82 18.34 19.01 25.66 30.51 17.21

in Tagen

Die DSO zeigen, wie schnell Apple seine ausstehenden Forderungen eintreiben kann, bzw, wie lange es dauert, um nach dem Verkauf an den Kunden an den Kaufpreis zu kommen.

Kauft man allerdings im Apple Shop ein Produkt, stehen folgende Zahlungsoptionen zur Verfügung: Paypal, Kreditkarte oder Überweisung. Ohne den Vorgang getestet zu haben, nehme ich an, dass das Paket erst verschickt wird, wenn das Geld auf einem Apple-Konto ist. (gilt nur für die Überweisung).

Die anderen zwei Zahlungsoptionen sichern Apple direkt das Geld zu. Wann jedoch das Geld bei einer Kreditkarten-Transaktion läuft, weiß ich nicht. Ich nehme an das es erst dazu kommt, sobald die Kreditkartenfirma die Abbrechnung macht. Zu den größten Apple-Kunden zählen die Telco-Firmen (T-Mobile, AT&T und Co.). Die werden sicher auf Rechnung bezahlen, bzw. durch Apple wird eine Kreditlinie eingeräumt.

Days Inventory Outstanding

 

’05 ’06 ’07 ’08 ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 TTM
4.91 5.79 7.09 7.31 6.85 6.95 5.18 3.26 4.37 6.30 4.91

in Tagen

Die DIO zeigen den Zeitraum zwischen dem Eingang der Rohstoffe bis zur Auslieferung und Rechnungsstellung. Sie gibt also an wie viele Tage produziert werden kann, bis das Lager leer ist. Da Apple aber nichts produziert ist mir dieser Wert nicht zu 100% klar.

Aus den Jahresabschlüssen wird auch nicht klar, was damit gemeint ist. Eventuell werden als Lagerbestand die Produkte bilanziert, die in den Apple Stores und über den Online-Verkaufs-Kanal verkauft werden.

Cash2Cash-Cycle

 

’05 ’06 ’07 ’08 ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 TTM
-32.84 -42.70 -67.19 -59.61 -47.58 -49.53 -51.96 -52.13 -44.5 -48.64 -41.31

in Tagen

Im Endeffekt bedeutet das, dass Apple für seinen Umsatz bezahlt wird. Ähnlich wie Versicherungen, die die Prämie erhalten und damit bis zum Schadensfall arbeiten können, bekommt Apple schneller Geld als es auszahlen muss.

Bleibt man bei der Versicherungs-Analogie, dann könnte man sagen, dass bei Apple jährlich ein Schadensfall eintritt und es denn C2CC Zeit hat den Schaden zu bezahlen, also in der Zeit mit dem Geld arbeiten kann.

Um den Cash2Cash-Cycle in echten Dollar-Zahlen zu quantifizieren teilt man den C2CC durch 365 und multipliziert die Zahl mit dem Umsatz. Dazu hier die Zahlen:

’05 ’06 ’07 ’08 ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 TTM
1,25 2,25 4,41 5,30 5,59 8,85 15,41 22,35 20,83 24,36 25,39

in Mrd. $

In den letzten 10 Geschäftsjahren hat Apple 135 Mrd. Dollar nur über den negativen Cash Conversion Cycle verdient. Die EBIT-Einnahmen über den Zeitraum beliefen sich auf 301 Mrd. Dollar. Entsprechend ist die Value Chain von Apple für knapp 45% aller EBIT-Gewinne verantwortlich.

Das ist enorm, aber es zeigt auch wie wichtig den Zulieferern und Kunden Geschäfte mit Apple sind und welche Konditionen dafür bereitwillig in Kauf genommen werden.

Um die Aussage zu den Cash2Cash-Cycle Zahlen noch etwas zu untermauern habe ich folgendes Gedankenspiel vorbereitet:

Wenn Apple einen Cash2Cash-Cycle von 0 hätte, dann wäre der aggregierte EBIT-Gewinn über die letzten 10 Jahre vermutlich nur bei 166 statt 301 Mrd. Dollar gelegen. Entsprechend hätte Apple nicht annähernd so schnell wachsen können.

Apple hätte Geld zur Finanzierung von Wachstum gefehlt und wäre vermutlich ein dankbarer Kunde am Geldmarkt geworden. Da Apple aber diese 135 Mrd. $ zur Verfügung hatte konnte das Unternehmenswachstum damit finanziert werden.

Apple ist also auf den Schultern seiner Zulieferer gewachsen.

Was halst Du von diesem Vorgehen? Würdet Du Apple-Aktien kaufen, oder hälst du dich lieber fern von Apple? Immerhin ist es gemessen an der Marktkapitalisierung das größte Unternehmen auf dem Markt und sicher folgt nahezu jeder Analyst dem Unternehmen!

Quellen:

11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Chris,

    ganz kapiert habe ich jetzt nicht, wie du auf die 135 Mrd. kommst. Um mal mit meiner naiven nichtbetriebswirtschaftler Logik zu kommen: Wenn ich Geld erst später bezahlen muss, dann habe ich doch nur den Zinsvorteil oder habe ich da etwas völlig falsch verstanden? Bezahlen muss ich ja letztendlich doch. Da erscheinen mir die 135 Mrd. doch sehr hoch, speziell in einem Niedriegzinsumfeld. Das wären dann ja pro Jahr 13,5Mrd. was wiederum bedeuten würde, dass ich bei 2% Zinssatz 675Mrd. USD dauernd vorhandenes Kapital haben müsste. Kann das sein? Ich meine bei Apple ist nichts unmöglich, aber das kommt mir dann doch etwas viel vor.

    Oder bin ich nur zu blöd, um das zu begreifen?

    Gruß Christian

    • Die $ 135 Mrd. sind wohl nur die Summe der letzten 10 Jahre. Letztes Jahr waren es laut der Tabelle oben $ 25,39 Mrd.

      • Hallo Hubert,

        richtig erkannt. Die Formel lautet folgendermaßen: (CashConversionCycle/365)*Umsatz und die 135 Mrd $ ist die Summe.

        Grüße

    • Hallo Christian,
      wie Hubert schon geschrieben hat, ist das die Summe der letzten 10 Jahre. Was du beschreibst ist ein möglicher Zinsgewinn, der aber gar nicht eingerechnet ist.

      Mal ein kleines Beispiel, damit das besser verstanden werden kann:
      Du bist ein Bauunternehmen und sollst ein Haus bauen. Bevor du aber mit den Bauarbeiten beginnst, willst du eine Vorauszahlung von deinem Auftraggeber von 100%. Dann versprichst du deinem Auftraggeber, dass das Haus in 50 Tagen fertig ist. Nun müssen aber die Baumaterialien gekauft werden. Die kannst du wegen deinem guten Ruf komplett auf Rechnung beziehen und musst sie erst in 60 Tagen bezahlen.

      Somit entstehen -10 Tage (Differenz aus 50-60) in denen mit dem Geld gearbeitet werden kann. Bzw. nicht vorgehalten werden müssen, um einen neuen Auftrag zu finanzieren.

      Folglich hast du (10/60)*100€ = 16,66€ die du nicht für die Vorfinanzierung deines Umsatzes ausgeben musst (eigentlich teilt man hier durch 365, da das Geschäftsjahr 365 Tage hat).

      Klar muss die Rechnung bezahlt werden, allerdings „lebt“ das Unternehmen von den Vorauszahlungen und im Endeffekt kann das Unternehmen so stark wachsen wie es möchte, da es zu keinem Zeitpunkt zu wenig Kapital hat, um das Wachstum zu finanzieren.

      Wie du vielleicht merkst geht es hier nur um die Bindung des Kapitals. Die Rentabilität wird bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt und einfach voraus gesetzt.

      Zurück zu Apple:
      Das sind natürlich alles Bilanz- und GuV-Zahlen und entsprechend können die auch zum Jahresende geschönt und frisiert werden – keine Frage. Aber ich hoffe, dass ich deine Frage etwas besser erklären konnte.

      Grüße

  2. Interessante Informationen.
    Dass Apple so eine gut strukturierte Value Chain hat war mir bislang noch nicht bewusst. Eventuell sollte ich meine Unternehmensbewertung doch noch einmal überdenken.

    Als massives Problem sehe ich immernoch die Größe. Wäre Apple ein paar 100 Millarden kleiner, dann könnte ich mir ein Investment wesentlich eher vorstellen.

    Geht der Gesamtmarkt in die Knie, dann ist Apple als erstes dabei. Allein von der Tatsache, dass die ganzen Fonds dann umschichten müssen…

    Grüße Stefan

    • Hallo Stefan,

      mir war das bisher ebenso unbekannt. Nur durch Zufall bin ich darauf gestoßen. Schaut man sich die Bewertungen an, dann sind die nicht gerade teuer. Immerhin verdient Apple richtig gut Geld, und hat ein unglaublich gutes Standing bei seinen Kunden.

      Wenn der Markt fällt, dann ist Apple unweigerlich auch dabei. Ohne Frage.

      Grüße

  3. Mir sind die Summen die dabei zusammenkommen einfach zu astronomisch hoch. Ich habe in meiner Frage oben durchaus von 10 Jahren auf 1 Jahr herunter gerechnet. Aber auch 13,5 Mrd. bezogen auf ein Jahr als Kapitalgewinn benötigen die oben von mir genannte Summe in hoher dreistelliger Milliardenhöhe, wenn man mit 2% Verzinsung rechnet. (OK gerechnet mit Apples Rendite sind es deutlich weniger, aber es bleibt eine erkleckliche Summe). Davon abgesehen müsste doch die Differenz in der Bilanz zu finden sein (zwischen Forderungen LuL und Verbindlichkeiten LuL). Aber der Unterschied beträgt dort nur 3Mrd. Dollar. Daher weiß ich nicht, wie du auf diese Zahlen kommst.

    • Hallo Christian,
      also wie bereits gesagt, ist das keine reine Bilanzbetrachtung. Die Gewinn- und Verlustrechnung trägt ebenfalls einige Werte bei. Wie man nun auf die ganzen Werte kommt, kannst du im Artikel Cash2Cash Cycle nachlesen.

      Es geht auch immer noch nicht um irgendwelche Zinsgewinne, oder sowas.

      Grüße

  4. Die Cash2Cash-Cycle -Werte in Euro darf man keinesfalls zu deinen 135Mrd. kumulieren – das Konzept ist eine reine Bilanzbetrachtung, eine Anpassung auf 0 Tage wäre deswegen aus Cashsicht quasi ein „Einmaleffekt“.
    Kumulieren dürfte man nur den Zinseffekt aus der GuV, aber die hast du hier ja gar nicht betrachtet.

    • Hallo Liza,
      danke für deinen Kommentar.
      Wieso sollte man den C2C-Cycle nicht kumulieren? Ich bin mir hier zwar auch unsicher, aber es ging ganz einfach 😉

      Ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass Apple sehr gut aufgestellt ist und auf „Kosten“ seiner Zulieferer wächst.

  5. Mit deiner letzten Formeln, der Rückrechnung in Euro, hast du ja den Vorfinanzierungsbedarf des Umsatzes hergeleitet – das Ergebnis war, dass Apple selbst gar kein Geld vorhalten muss, sondern dass die Lieferanten vorfinanzieren.

    Du musst dir das im Prinzip vorstellen wie eine Kreditlinie, die von den Lieferanten eingeräumt wird – im Jahr 2005 nimmt Apple davon 1,25 Mrd in Anspruch, Jahr für Jahr dann mehr bis in 2014 in der Spitze dann 24,36 Mrd. Wie einen Kredit bei der Bank kann man das Geld nur einmal nutzen und nicht kumulieren.

    Auch kann man diese Werte nicht in Beziehung setzen mit einem Ebit oder Gewinn: Ein Bankkredit beeinflusst das Ebit ja auch nicht und den Überschuss nur über die Zinsen. Hier geht es um Finanzierungseffekte und um den Free Cash Flow: Läge der C2CC bei 0 müsste Apple die bis zu 24,36 Mrd. aus den eigenen Cashreserven (bzw. ein herkömmliches Unternehmen über neue Bankkredite) bereitstellen und damit würde sich die ausschüttungsfähige Liquidität mindern.

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