Sonntag, 5. August 2012

Ist ein KBV unter 1 immer gut?

Was sagt der Buchwert
Gerd Altmann  / pixelio.de
Ist ein KBV von unter 1 immer gut? Um das zu klären, sollten wir uns erst mal anschauen, was der KBV, oder  das Kurs-Buchwert-Verhältnis, überhaupt aussagt.
Beim KBV handelt es sich um eine Ratio, die das Verhältnis zwischen Marktwert der Aktie in Relation zum Buchwert, angibt.
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis wird folgendermaßen berechnet:

KBV = Marktkapitalisierung / bewertbare Vermögenswerte - unbewertbare Vermögenswerte

(Unbewertbare Vermögenswerte sind Lizenzen, Firmenwert, Software etc. und bei bewertbaren Vermögenswerten handelt es sich um Sachanlagen, Gebäude etc)

Ein niedriges KBV kann bedeuten, dass das Unternehmen unterbewertet ist. Muss es aber nicht zwangsläufig, denn die bewertbaren Vermögensgegenstände könnten ebenfalls wertlos sein. Hier kommt es stark auf die Branche, die angeschaut werden soll, an.

Weiter muss beachtet werden, dass der KBV nur den bilanzielle ausgewiesenen Buchwert berücksichtigt, nicht jedoch stille Reserven. Leider ist durch das BilMoG dieses Theme nicht mehr so relevant, da für Aktiengesellschaften ein sogenanntes Wertaufholungsgebot gilt.

Die "klassische" Value- Investing Theorie besagt, dass je niedriger der KBV ist, desto günstiger ist das Unternehmen bewertet, weil man davon ausgeht, dass die Vermögensgegenstände durch die Abschreibungen bereits korrekt bewertet sind. Dies ist natürlich nicht immer so, da technischer Fortschritt oder Verschleiß von Sachanlagen nicht berücksichtigt werden. Bei der Abschreibung, in de Gewinn und Verlust- Rechnung, sind diese 2 Themen nicht berücksichtigt.

Weiter muss man unterscheiden zwischen einem niedrigen KBV eines Industrieunternehmens, wie Siemens, und dem KBV einer Deutschen Bank.

Bei einer Bank kommt es stark darauf an, um welche Vermögensgegenstände es sich handelt und wie werthaltig, diese sind. Das aktuelle KBV der Deutschen Bank ist beispielsweiße bei 0,43. Das bedeutet, dass die Differenz aus bewertbaren Vermögenswerten minus die unbewertbaren Vermögenswerten 2,326 mal so hoch ist wie die Marktkapitalisierung.

Das erscheint erstmal recht unterbewertet und das menschliche Gehirn sagt: "Kauf Deutsche Bank. Viel, schnell und sofort!".

Leider ist dem nicht so...

( Über mögliche Probleme, die Banken in Zukunft haben werden, werde ich nicht schreiben, aber hier sollte man Themen wie "Basel III, Transaktionssteuern, mögliche Gerichtsverfahren, weitere regulatorische Anforderungen" im Auge behalten. )

Banken über ein KBV zu bewerten ist schlicht nicht möglich, da die Vermögensgegenstände völlig anders eingesetzt werden und Banken anders wie Industrieunternehmen Vermögensgegenstände einsetzen und finanzieren.

Deshalb ist ein KBV unter 1 nicht immer gut und muss nicht zwangsläufig auf eine Unterbewertung hindeuten.

Ein weiteres Problem beim KBV sind Dienstleistungsunternehmen. Nehmen wir mal Amadeus Fire als Beispiel. Amadeus Fire hat einen KBV von ~4,6. Heißt das jetzt, dass das Unternehmen überbewertet ist?

Die Lösung liegt hier im Geschäftsmodell von Amadeus Fire. Sie haben kaum Vermögensgegenstände und brauchen eigentlich nur ein Büro mit Schreibtisch, Computer und Telefon. Mehr nicht...

Fazit:
Das KBV sagt erstmal gar nichts aus, nur in Verbindung mit der entsprechenden Branche und wie das Unternehmen operativ tätig ist, bekommt das KBV eine Aussagekraft. Sonst kann man es vergessen und es leitet den Investor nur in die Irre!


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