| ( Markus Hein / pixelio.de ) |

Man benötigt hier also:
- den Aktienkurs (eine stichtagsbezogene Größe) und
- den Gewinn je Aktie (eine zeitraumbezogene Größe), also den Gewinn des gesamten Unternehmens geteilt durch die Anzahl aller ausstehenden Aktien
Der Kurs - die stichtagsbezogene Größe
Welchen Stichtag wählt man denn? Hier hat man zwei Möglichkeiten:
- den heutigen Kurs (oder den letzten bekannten)
- einen Kurs aus der Vergangenheit
Bei der Bewertung von Aktien ist i.A. der heutige Kurs sinnvoll. Denn zum heutigen Kurs kann man ja auch kaufen, also ist auch die Berechnung des KGV mit dem heutigen Kurs hier die einzig sinnvolle Möglichkeit.
Aber auch die Wahl eines Stichtages aus der Vergangenheit kann Sinn machen. Zum Beispiel um das Bewertungsniveau der Aktie in der Vergangenheit zu bestimmen.
Der Gewinn - die zeitraumbezogene Größe
Machen wir uns erstmal Gedanken um die Länge des Zeitraumes der betrachtet werden soll. Um einen vergleichbaren Wert für das KGV zu erhalten, muss natürlich immer ein gleichlanger Zeitraum betrachtet werden. Eingeürgert hat sich hier ein Jahr, das behalten wir natürlich auch so bei...
Aber welches Jahr? Hier hat man folgende Möglickeiten:
- das Geschäftsjahr, welches vor dem Stichtag, zu welchem man den Kurs bestimmt, beendet wurde
- den durchschnittlichen Jahresgewinn einer Reihe vorhergehender Geschäftsjahre
- den prognostizierten Jahresgewinn des nächsten Jahres
- den durchschnittlichen prognostizierten Jahresgewinn einer Reihe von Jahren in der Zukunft
Was ist nun wann sinnvoll? Da wir mit dem KGV das Bewertungsniveau einer Aktie abschätzen wollen und der Wert einer Aktie von den Gewinnen der Zukunft abhängt, scheint es am sinnvollsten, den prognostizierten Gewinn des nächsten Jahres zu verwenden oder noch besser, den prognostizierten Durchschnitt einer Reihe von Folgejahren. Das Problem ist natürlich die Schätzung... Ist es eine eigene Schätzung? Die des Unternehmens selbst? Die von Analysten? Wie sicher ist diese Schätzung? Wenn nun damit ein niedriges KGV berechnet wird, ist die Aktie dann billig oder ist nur die Gewinnschätzung zu optimistisch?
Das sind Probleme, auf die ich nicht wirklich eine Antwort weiß, wofür es wohl auch nie eine absolut zufriedenstellende Lösung geben wird.
Deswegen ist es wohl eine gute Idee, das KGV für Unternehmen zu berechnen, bei denen sich nicht viel verändert. Bei denen die Vergangenheit als gute Richtschnur für die Zukunft gelten kann. Hier kann man die messbaren Gewinne der Vergangenheit verwenden und kann trotzdem davon ausgehen, dass diese auch für die Zukunft eine gewisse Relevanz haben. Ich empfehle ausdrücklich, den durchschnittlichen Gewinn mehrerer Jahre der Vergangenheit zu verwenden, denn die Ergebnisse einzelner Jahre können leicht mal nach oben oder unten vom Erwartungswert abweichen und die Aktie damit außergewöhnlich teuer oder billig erscheinen lassen. Verwendet man Durchschnittswerte, verringert man zumindest das Risiko, dass einem so ein Fehler passiert. Ein Einzeljahr zu verwenden kann gegebenenfalls bei über viele Jahre kontinuierlich steigenden Gewinnen sinnvoll sein.
Ich möchte nicht grundsätzlich davon abraten, ein KGV für Unternehmen, die sich in Zukunft stark verändern werden, zu berechnen. Aber man sollte sich auf jeden Fall im Klaren darüber sein, dass ein KGV für solche Unternehmen eine relativ geringe Aussagekraft besitzen kann.
Fazit
Obwohl das KGV eine einfach zu berechnende Kennzahl ist, sollte man, wenn irgendwo ein KGV angegeben ist, immer hinterfragen, wie genau dieses berechnet wurde.Ich empfehle, bei der Angabe eines KGV immer den Stichtag für den Kurs und den Zeitraum für den Gewinn mit anzugeben. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich selbst dies in der Vergangenheit nicht wirklich konsequent getan habe...
www.investment-analyse.net
Sehr guter Post. Gut gegliedert und sehr informativ.
AntwortenLöschenErster guter Beitrag von Vielen :)
Viele Grüße, Chris
Ich hoffe auch, hier bald mehr davon zu lesen. Der Blog von Stefan Mohr ist ohnehin interessant.
AntwortenLöschenOb eine Schätzung zu optimistisch ist, das kann man vorher natürlich nie wissen.
AntwortenLöschenAber man kann sehen, ob die geschätzte Wachstumsrate von derjenigen Wachstumsrate, die das Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit im Schnitt erreicht hatte, deutlich nach oben abweicht. Und man kann auch sehen, ob die Schätzung im Einklang mit den Schätzungen anderer Unternehmen derselben Branche steht.
Wenn eine Schätzung also einen Gewinnsprung des Unternehmens vorhersagt, dann möchte ich vom Analysten eine Begründung für diesen Sprung sehen. Das kann eine Änderung im Geschäftsmodell sein, aber auch eine Übernahme, die sich erst ab der vollen Konsolidierung des übernommenen Unternehmens in der Bilanz auswirkt.